Die Stadtkirche Münchberg

und ihre Geschichte bis heute.

Die im Jahr 1872 eingeweihte Stadtkirche ist die siebte Kirche an der gleichen Stelle. Wann die erste Pfarrkirche in Münchberg erbaut wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, weil der Zeitpunkt der ersten Besiedlung unserer Gegend im Dunkeln liegt. Im Jahr 1216 wird Münchberg erstmals urkundlich erwähnt. 1364 verleiht ihm Rüdiger von Sparneck das Stadtrecht der freien Reichsstadt Nürnberg.

Die erste urkundliche Erwähnung eines hiesigen Geistlichen stammt aus dem Jahr 1308. Zu dieser Zeit wird auch die erste Kirche bestanden haben. Obwohl wir weder Größe noch Gestalt des Gotteshauses kennen, wissen wir: es war eine Marienkirche, die im Jahr 1430 durch die Hussiten zerstört wurde.

Das Jahr, in dem die zweite Pfarrkirche eingeweiht wurde, ist ebenfalls nicht bekannt. Aus dem Testament eines Hans Lintner (des Alten) aus dem Jahr 1499 erfahren wir, dass die Kirche „St. Peter und Paul“ genannt wurde. Beim Stadtbrand am 8. Juli 1534 fiel auch die Pfarrkirche dem Feuer zum Opfer.

Beim Bau der dritten Kirche, deren Rohbau 1537 fertig gestellt war, scheint man ziemlich gespart zu haben. Bereits 1551 mussten Renovierungsarbeiten vorgenommen werden, und elf Jahre später stürzte bei einem Unwetter ein Teil des Turmes ein und dabei wurde das gesamte Gebäude erheblich beschädigt. Daraufhin verfügte der Markgraf, dass die anfallenden Buß- und Frevelgelder für den Kirchenbau verwendet werden sollen.

Am 1. April 1631 brach in der Stadt erneut ein Brand aus, dem 94 Häuser und die Kirche zum Opfer fielen. Da jetzt mitten im 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) an einen Wiederaufbau nicht zu denken war, versah man die ausgebrannte Kirchenruine mit einem einfachen Bretterdach, um wenigstens einigermaßen Gottesdienst feiern zu können.

Nach Kriegsende ging man an den Wiederaufbau, der 1653 vollendet gewesen zu sein scheint. Ein Chronist berichtet in diesem Jahr, dass die Münchberger Bürgerschaft die erste auf dem Kirchturm angebrachte Uhr bestaunte.

Am 26. September 1701 brannte es wieder. Die Kirche, die Pfarr- und Schulhäuser sowie 82 Wohnhäuser wurden ein Raub der Flammen.

Bereits 1702 begann man mit dem Wiederaufbau, der sich bis 1709 hinzog. Mit dieser Maßnahme hatte sich die Kirchengemeinde hoch verschuldet. Deshalb war es für sie ein schwerer Schlag, als am 16. Juli 1729 erneut ein Brand ausbrach, der die Kirche, das Rathaus, zwei Brauhäuser und 52 Wohnhäuser mit vielen Nebengebäuden in Schutt und Asche legte.

1731 wurde erneut mit dem Kirchenbau begonnen. Schon zwei Jahre später konnte das Gotteshaus eingeweiht werden. Zur Finanzierung hatte Markgraf Georg Friedrich Karl durch Bewilligung einer Kollekte in seinem gesamten Herrschaftsbereich, durch eine großzügige Holzspende aus seinen Waldungen und einen namhaften Geldbetrag beigetragen. Im Vergleich zum abgebrannten war das neue Gebäude größer und zweckmäßiger. Die Kirche hatte 1126 Sitzplätze, 567 Männerstühle und 559 Weiberstühle. Diese Kirchenstühle wurden gegen ein Stuhlgeld an die Gemeindeglieder vermietet. Von 1732 bis 1854 wurde deshalb ein „Kirchen-Stull-Register“ geführt, in dem die Namen all der Münchberger Familien verzeichnet sind, die Wert darauf gelegt hatten, in der Kirche einen eigenen Platz zu besitzen.

Bei einem Brand am 12. August 1837 in der oberen Stadt griffen die Flammen auch auf den Kirchturm über. Durch das waghalsige Eingreifen des Zimmerermeisters Jakob Rausch konnten die Glocken und das Kirchenschiff gerettet werden. Die Turmruine wurde abgetragen. Die funktionsfähigen Glocken hängte man in einem auf dem Kirchplatz errichteten hölzernen Gerüst mit Bretterdach auf. Die Gottesdienste fanden nach wie vor in der Ruine des Kirchenschiffs statt, das immer baufälliger und seine Benutzung immer lebensgefährlicher wurde. Während der Chor noch für Taufen und Trauungen geöffnet war, wurde das Kirchenschiff Ende 1863 endgültig gesperrt. Der Zugang erfolgte durch die Sakristei. Die Gottesdienste fanden in der Friedhofskirche statt.

Im August 1864 traf die ministerielle Genehmigung für den Neubau der jetzigen Stadtkirche ein. Die Finanzierung erfolgt zum größten Teil durch den Staat. Sofort begann man mit den Abbrucharbeiten. Am 24. Juli 1867 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau, am 10. Oktober 1868 feierte man das Richtfest für das Kirchenschiff und am 20. Juli 1869 das für den Turm. Die feierliche Einweihung fand am 8. September 1872 durch Konsistorialrat Kraußold aus Bayreuth statt. Die Festpredigt hielt Dekan Johann David Trenkle. Dass zwischen Turmhebefeier und Einweihung noch mehr als drei Jahre vergingen, hing damit zusammen, dass der Staat zwar Altar, Kanzel, Taufstein und Orgel nicht aber die Kirchenstühle bezahlen wollte. Erst die Androhung eines Prozesses veranlasste den Staat, wenigstens 1600 Gulden dafür bereit zu stellen. Die Kirchengemeinde musste den gleichen Betrag aufbringen.

Die vier Glocken hatte man bereits am 15. Und 16. Dezember 1869 auf den Turm gebracht. Am 18. Dezember 1869 läuteten sie nach über 30-jähriger tiefer Erniedrigung auf dem Kirchplatz erstmals wieder vom Turm.

1895 wird eine Steinmayer-Orgel eingebaut und Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Sakristei angebaut, die man zwar im Bauvorhaben vorgesehen hatte, aber bedauerlicher Weise dann vergessen hatte. 1933 wird der Vorraum der Stadtkirche als Taufkapelle neu gestaltet.

Im Kriegsjahr 1943 werden drei der vier Glocken der Stadtkirche abgehängt und abtransportiert. Sie sollen eingeschmolzen werden. Glücklicher Weise kommt es nicht dazu. 1947 kehren sie in die Stadtkirche zurück. 1951 wird die sog. Gedächtnisorgel in die Stadtkirche eingebaut. Sie soll bei besonderen Anlässen zu Ehren der im Krieg umgekommenen und vermissten Münchberger Männer und Frauen erklingen. Die letzte große Sanierung der Stadtkirche erfolgte in den Jahren 1961/62. Seitdem behielt sie ihr Aussehen bis zu Beginn der jetzigen Generalsanierung.

In zwei Bauabschnitten wurde die Stadtkirche in Münchberg seit ca. 2006 generalsaniert.

Im 1. Abschnitt wurden das Dach, das Mauerwerk, die Fenster, die Glocken und teilweise die Türen überarbeitet.

Im 2. Abschnitt, seit 2012 wurde der Innenraum generalüberholt. Dabei sind folgende Arbeiten erledigt worden:

  • der Fußboden mit Granit aus Flossenbürg belegt
  • eine Fußbodenheizung und Bankheizung auf der 1. Empore eingebaut
  • die Decke mit Gipskarton abgedichtet
  • eine Chorempore angelegt
  • die alten Bänke überarbeitet, die Rückenlehne geneigt, die Sitzfläche verbreitert, mit neuer Farbe versehen und eingekürzt um mehr Freiraum zu schaffen
  • 150 Ersatzstühle angeschafft
  • eine völlig neue und umfangreichere Beleuchtung installiert
  • neue Medientechnik verbaut
  • ein neues Farbkonzept im gesamten Raum eingebracht
  • das Kunstwerk zum aaronitischen Segen von Frau Weber in der Torturmkapelle verwirklicht
  • eine elektronische Orgel für den Übergang bis zu einer neuen Orgel angeschafft
  • ein WC im süd-westlichen Treppenhaus eingebaut
  • die Türen auf Dichtigkeit überarbeitet.
  • neue Schränke als Ersatz für eine 2. Sakristei im Kirchenschiff und der Sakristei
  • Glaseinhausungen an den Mitteleingängen
  • eine Projektionswand mit Beamer.

Noch verwirklicht werden:

  • eine Rampe am nördlichen Mitteleingang als stufenloser Zugang

Die Kirchengemeinde dankt Gott für die Bewahrung bei den Arbeiten und allen Firmen für die Ausführung der Baumaßnahme.